Toulouse 2008
Moin alle zusammen,es ist 21:48 Uhr, ich sitze im TGV zurück nach Paris und habe von meinen sechs einhalb Stunden Zugfahrt schon vier einhalb geschafft
Um nun die verbleibenden zwei rum zu bekommen dachte ich mir, ich erzähl euch mal von meinem Toulouse-Trip
Donnerstag:
Der Tag begann mit dem Packen meines Rucksacks. Regen, Regen und noch mal Regen hatte die Wettervorhersage gemeint – und das in Südfrankreich… Naja, so entschloss ich mich, einen Mix aus Pullis und T-Shirts einzupacken, was mir später fast zum Verhängnis geworden wäre
Insgesamt dauerte das Packen doch wesentlich länger, als ich gedacht hatte (so mit nur einem beweglichen Bein bin ich doch leider nur halb so schnell wie sonst) und so traf ich erst gegen zwölf im Büro ein (hatte aber von zuhause aus, während ich mein Knie kühlte, schon gearbeitet). Im Büro hatte ich gerade meine Mails durchgearbeitet, als wegen Wartungsarbeiten das komplette Netzwerk ausgeschaltet wurde. Gut, dann eben nix mit arbeiten
Also ging‘s mit meinen Kollegen zu Subway, um die Pause zum netten Schnack zu nutzen. Dabei fand ich dann heraus, dass neben Kyra (Amerikanerin) auch Janet (Deutsch/Australierin) und Ruperto (Filipino) Deutsch sprechen/verstehen können. Nur ich als Deutscher hatte davon bisher keinen Plan…
Naja, nach dem entspannten Mittagessen ging‘s zurück ins Büro um mit meinem Chef mal so grundsätzlich über seine Ideen zu schnacken. Dabei eröffnete er mir dann, dass das was die Anderen (Chris – ICT; Calidou – E-Waste; Sina – crucial metals) machen zwar interessant für ihn sei, am Wichtigsten sei ihm aber meine Arbeit (da strategisch ausgelegt als Konzept für die Zukunft). Das freute mich zwar sehr, setzt mich aber gleichzeitig auch gut unter Druck, da mir sowieso schon die Zeit wegläuft (keine vier Wochen mehr und noch kein Wort geschrieben) und er mir immer mehr an Fragen, die ich mit meiner Studie beantworten soll, aufträgt. Echt nicht einfach, dass alles so unter einen Hut zu bekommen. Hab mich jetzt in Toulouse in diverse Studien und Konzepte eingelesen und werde Ende der Woche hoffentlich dann mal mit dem Schreiben anfangen… So, kurz drauf ging‘s zum Bahnhof, wo ich mir mit Verweis auf mein Bein einen Platz in der ersten Klasse organisierte und in gechillten 5 Stunden nach Toulouse gondelte
Dort angekommen empfing mich Hagen am Bahnhof und schlug mir vor, abends zum BOOM zu gehen. BOOM findet einmal im Monat in seinem Wohnheim statt und ist eine recht große Party mit DJ und allem Drum und Dran
Gut, da ich ja im Zug genug Zeit zum Entspannen hatte, war ich trotz meines Beins mit von der Part(y)ie
So haben wir bis morgens um vier dann erstmal die Franzosen gerockt
Freitag:
Die Idee arbeiten gehen zu wollen, verwarf Hagen recht schnell, nachdem wir erst Mittags aufgewacht waren. Nach einem Trip in die Stadt um einzukaufen trafen wir uns nach einer kleinen Stadttour mir Ankie und Steffen, die beide gerade bei Airbus ein Praktikum machen. (Hagen arbeitet bei der ESA und dreht an den Knöpfen des ATV rum…
) Nach einem gemütlichen Bier bzw. Orangensaft
ging‘s dann zum Capitol, dem zentralen Marktplatz von Toulouse. [inspic=1105,left,fullscreen,200] Dort fand nämlich ein großes Konzert von Martin Solveig und Maroon 5 statt. Ich fand‘s ganz cool, auch wenn wir teilweise unter Hagens Riesen-Schirm Zuflucht suchen mussten und die Soundqualität teilweise recht bescheiden war. Dabei hat der 25€-Schirm von Stade Toulousian (Rugby-Mannschaft und eines der besten Rugby League Teams in Europa) die ganze Zeit über hervorragende Dienste geleistet, aber dazu später mehr. Im Anschluss an das Konzert, bei dem wir noch eine Truppe Brasilianer/Portugiesen kennenlernten, ging‘s in eine der nachts zur Disko umfunktionierten Bars. Dort war es allerdings so heiß und stickig, dass ich – auch aufgrund des lange Stehens vorher – mich bald verabschiedete und das Treiben auf dem Platz von der Quai-Mauer der Garonne aus beobachtete
Auch den Anderen wurde es bald zu warm, so dass sie sich zu mir gesellten. Da die letzte Metro lange weg war, nahmen wir den Heimweg zu Fuß/Rad in Angriff. Auch das habe ich gemeistert
Samstag:
[inspic=1111,left,fullscreen,200] Samstag war dann Stadtführung angesagt. Da Hagen bisher noch nicht so wirklich viele Besucher hatte, konnte er sich direkt mal als Touri-Guide üben, damit er auch was erzählen kann, wenn seine Eltern am Wochenende kommen. Also ich war mit seiner Leistung sehr zufrieden
Haben eine sehr coolen Japanischen Garten (inklusive Hochzeitsgesellschaft) besichtigt, sind dann an der Garonne lang und zurück zum Stadtzentrum – eine schöne Tour! [inspic=1081,right,fullscreen,200] Später trafen wir uns dann mit Steffen und Ankie, mit denen wir (trotz leichten Orientierungsproblemen) in einer britischen Bar einkehrten, um uns dort Frankreich gegen Paraguay anzugucken, was 0:0 ausging. (Das Spiel fand wohlgemerkt in Toulouse statt – allerdings waren uns die Karten mit 40€ eindeutig zu teuer). Lustig auch, dass eine Truppe Briten den Pub stürmte um Pub-Golf zu spielen: (9 Bars = Löcher; in jeder Bar wird nach bestimmten Regeln ein Getränk zu sich genommen, wird es geext, ist es zum Beispiel ein Hole-in-One und so weiter und so fort) Sehr lustig das ganze
Sonntag:
[inspic=1098,left,fullscreen,200] Sonntagmorgen trafen wir uns bei Ankie und wanderten von ihr aus weiter zu Steffen, mit dessen Auto wir vier dann eine halbe Stunden „auf‘s Land“ fuhren. Dort sollte nämlich das Sommerfest von Airbus-Deutschland in Toulouse stattfinden. Angekommen stellten wir fest, dass wir tatsächlich in „klein Deutschland“ gelandet waren. Fast nur Deutsche, die sich beim Fussballturnier vergnügten oder vor‘m Grill für die deutsche Bratwurst anstanden. Die recht lange Schlange stellte jedoch bald kein Hindernis für ausgiebigen Wurst-Genuss mehr da, denn ein heftiges Regenschauer hatte die „Schirmlosen“ in der Schlange vor uns (also so ziemlich alle) sich unter‘s Zelt retten lassen, so dass wir vier unter Hagens Schirm gemächlich Richtung Grill wanderten und uns unter den Augen der im Zelt gedrängten Masse uns die Würstchen vom Grill holten
Hehe, da haben wir uns wenig Freunde mit gemacht, c‘est la vie
Nachdem wir dann das Fussballturnier angeschaut und noch einige Würstchen verspeist hatten (juhuuuuuu, endlich mal wieder Grillen, was in Paris ja nicht drin ist…
) ging es über Umwege zu Andrea, einer Freundin von Ankie und Hagen, die vor ein paar Stunden in Toulouse angekommen war. Nachdem wir uns erst noch über die unpraktische Lage am Rand von Toulouse ausgelassen hatten und etwas skeptisch waren ob der Wohnsituation, fuhren wir später neidisch wieder davon… Die Gute hat mal einen Volltreffer gelandet. Krasses Haus (Haus ist etwas untertrieben) mit Pool und Grillstation und allem Drum und Dran, schönes großes Zimmer und nette Mitbewohner auf dem Flur. [inspic=1090,right,fullscreen,200] Da sie auch nen Auto hat, um zur Arbeit und in die Stadt zu gelangen, wirklich nicht schlecht! Nachdem wir sie so mehr oder weniger spontan überfallen hatten (war erst vor ein paar Stunden angekommen) und unser Kuchen auch nicht so geworden war, wie gedacht (kein Backofen vorhanden, Mikrowelle versucht, Kuchen von INNEN
verbrannt…) zogen wir nach ein/zwei Stündchen wieder los und Steffen brachte uns netterweise zurück zu Hagens Wohnheim
Dort war dann (wie könnte es bei der Anzahl von Amis anders sein?) Barbecue angesagt, an dem wir uns natürlich auch beteiligten…
Montag:
[inspic=1099,left,fullscreen,200] Tja, was soll ich sagen, ich habe gearbeitet, Hagen hat gearbeitet, das war‘s
Ok, nicht ganz, während Hagen abends am Rechner rumrödelte hab ich uns leckere Hamburger und nen Salat gemacht, die wir genüsslich verspeißten während wir uns „My Name ist Earl“ anguckten. Im Anschluss gab‘s „The Anchorman“ und „Eurotrip“ oder anders ausgedrückt, eine geballte Ladung Comedy
Dienstag:
[inspic=1109,left,fullscreen,200] Und somit heute, gerade, jetzt…
Jo, heute morgen war ich noch mal auf eigene Faust in der Stadt und habe einen kleinen Chocolatier gefunden, bei dem ich mich gleich mal mit selbst gemachtem Eis und kleinen Schoko-Pralinen versorgt habe
Danach hab ich gepackt und bin dann mit Hagen zum Zug gefahren, in dem ich immer noch sitze… Diesmal war der Bahnbeamte weniger kooperativ, der wollte mich einfach nicht in der ersten Klasse haben… Aber gut, jetzt sitze ich auch ganz komfortabel in einem Vierer in der Zweiten, den ich auch für mich habe, passt also
Fazit:
Das Fazit ist einfach. Auch wenn Hagen mit dem Wetter etwas haderte („Aber wir sind in SÜDfrankreich, selbst in Bremen ist es wärmer!“) war ich gut zufrieden, angesichts der Tatsache, dass ich 5 Tage Regen erwartet hatte. Im Gegensatz zur Vorhersagen hat nämlich vorwiegend die Sonne geschienen (so dass mir meine T-Shirts zwischenzeitlich ausgingen…) und nur ab und zu mal nen kräftiges Schauer gegeben.Toulouse selbst finde ich total schön. Es ist GRÜN
und hat einfach ein nettes Flair. Die Stadt strahlt Gemütlichkeit und Leben aus und es macht einfach Spass, dem Treiben in den kleinen Gassen und Plätzen zuzuschauen. Das kann man nun überhaupt nicht mit Paris vergleichen, wo halt alles etwas weniger gechillt zugeht. Trotzdem könnte ich mir gut vorstellen, auch in Toulouse zu leben. Ich denke, die Stadt selbst bietet natürlich wesentlich weniger Attraktionen als Paris, dafür ist die Lage perfekt um „mal eben“ nach Spanien, in die Pyrenäen, an die Küste oder sonst wohin zu fahren. DAS kann man von Paris nicht behaupten.
Ich als „Hinkebein“ hab mich glaub ich auch ganz gut geschlagen. Ich denke nicht, dass ich ein Anhängsel war oder die Anderen groß aufgehalten hab, hab mir jedenfalls viel Mühe gegeben, dass ganze so „unaufgeregt“ wie möglich zu händeln. Sehr dankbar bin ich dabei Toulouse für die zahlreichen Aufzüge und Rolltreppen – kein Vergleich zu Paris. In Toulouse ist alles, was Infrastruktur angeht, wesentlich moderner und „behindertengerechter“ als in Paris
Meinem Bein geht‘s – soweit ich das einschätzen kann – gut und das Laufen hat dazu geführt, dass sich die anderen Bänder an die Belastung gewöhnt haben und somit fühlt sich das Ganze schon wesentlich stabiler an
Das Unternehmen „ich besuche einen Fremden“ ist, wie ich finde, auf jeden Fall gut gegangen – Hagen und ich kannten uns bisher nur über Andre per Skype. Wir sind aber ziemlich auf einer Wellenlänge und hatten viel Spass zusammen. Ich denke, er ist ganz froh, mich erstmal wieder los zu sein, da es immer anstrengend ist, wenn man gleichzeitig Besuch hat und Arbeiten muss. Ich fand das aber vollkommen normal und auch die von euch, die mich jetzt noch besuchen kommen, müssen sich darauf einrichten, dass ich halt, ausser am Wochenende, eher wenig Zeit für euch hab, aber das kriegen wir schon hin
Um nicht abzuschweifen, ich fand die Tage bei dir, Hagen, total klasse und freu mich schon riesig auf unseren Spanientrip mit Andre – das wird nur genial
So, es ist 22:50 Uhr, eine Stunde hab ich noch um jetzt irgendwas anderes zu machen, bevor ich dann wieder in Paris bin, wo ich vielleicht Chris sehe, der angeblich heute und morgen die Stadt unsicher machen soll…
Morgen kommt meine Mutter, über‘s Wochenende ist Stella zu Besuch in Paris, Sonntag fängt die WM an, Steffi kommt mich Besuchen, Matze auch – Leute, der Juni wird super!
Die passenden Bilder zur Reise gibt’s im übrigen hier zu bestaunen
und der gute Hagen hat seine Sicht der Dinge kurz mal hier zusammengefasst
In diesem Sinne, und weg, euer Strothi
P.S.: Respekt an den, der es bis zum 1816. Wort geschafft hat
Update 1:
Ihr werdet es nicht glauben: Mein Mitbewohner hat die Küche geputzt!!! Also zumindest ich war gestern schwer irritiert
Sehr cool.
So, Chris ist nicht in Paris aufgetaucht und irgendwie hat keiner nen Plan, wo der wohl stecken könnten, mal sehen, ob ich da heute mehr zu rausfinden kann…
Update 2:
SCHEIßE, SCHEIßE, SCHEIßE!!!
Sorry, aber ich musste mal gerade meinen Frust verbalisieren. Steffis Prof. hat ihre eine Klausur einfach mal um eine Woche nach hinten und somit auf den Samstag, wo sie bei mir in Paris weilen sollte, verlegt. Das kann doch einfach nicht wahr sein, SO EIN SCHEIß! Jetzt kann sie doch nicht kommen. Bin unendlich traurig und werde jetzt erstmal ne Runden Frust schieben…




Hey Philip, schön dass du wieder gut in Paris angekommen bist! Deinen Beitrag kann ich aber so nicht unkorrigiert stehen lassen!
Also:
- Die Party heißt BOOM (und nicht DOOM) !!!
- Der Regenschirm ist zwar schön groß und teuer war er auch aber er ist NICHT vom FC Barcelona sondern von STADE TOULOUSIAN (das ist die hiesige Rugby-Mannschaft und eines der besten Rugby League Teams in Europa), was man an den Farben (Schwarz-Rot) und dem Logo auf dem Schirm auch gut erkennen kann. Mein Gott, du hattest das Ding doch die ganze Zeit in der Hand….
- die Bars sind nicht umfunktionier, die sind tatsächlich immer so
- Pub Golf: Das Getränk MUSS nicht geext werden. Wenn du das machst ist es quasi ein Hole in One.
- der Link zu meiner “Sicht der Dinge” ist so auch nicht ganz richtig aber zumindes ungefähr
ansonsten hast du das ganz gut zusammengefasst und ich bin stolz auf dich und dein Ei-Phone, dass du diesen Text in nur knapp einer Stunde geschrieben hast
, da lob ich mir doch die anständige Tastertur meines großartigen Telefons.
So genug, gehetzt und gelästert. Spanien wird ganz sicher geil und wenn ich es schaffe schau ich bald mal in Paris vorbei!
Reingehauen, Hagen
Und schwupp, Korrekturen wurden eingearbeitet
Nur das mit den Bars lass ich so stehen, denn das sind ja tagsüber “normale” Bars in denen dann abends Disko stattfindet – also “umfunktioniert”
Jaja, der Hagen und mein iPhone, die beiden werden so schnell keine Freunde…
(freu dich über deinen Totschläger (Win-Phone), du hast ihn verdient
)
Und nein, den Blogeintrag hab ich dann doch auf meinem Macbook geschrieben, mit dem iPhone hätte das wahrscheinlich doppelt bis drei mal so lange gedauert
In Paris bist du aber immer willkommen,
und weg, Strothi